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Dubai-Diary #4 – Fünf barfüßige Handwerker

Ihr habt es im letzten Diary-Eintrag gelesen, es gibt eine Wohnung, in die wir eingezogen sind. Da gab es ein bisschen was zu fixen, das sollte eigentlich vorab passieren, aber Dinge zu einem festgelegten Zeitpunkt erledigen, das ist hier anders. Wer mich kennt, der weiß, uiui, da muss sich jemand umgewöhnen und mehrmals am Tag Pranayama üben.

Termin 1 – die Führung oder seelische Vorbereitung

Ich springe schnell mal auf die Palme, das war schon immer so, darum ja auch Yoga. Manchmal hilft aber selbst die beste Praxis nix. Und in dieser Hinsicht sind die Emirate schon eine kleine Herausforderung. Also, wie bereits berichtet, gab es ja das angekündigte „deep cleaning“ in unserer Wohnung nicht, dass eigentlich mit ein paar Handwerker-Sachen wie Schranktür neu einhängen, Klospülung reparieren, Dusche mit Silikon ausspritzen & Co einhergehen sollte. Wir fanden heraus, dass beides zwei getrennte paar Schuhe sind. Um das Cleaning haben wir uns am Ende selbst gekümmert, das war am einfachsten.

Für die handwerklichen Dinge kamen der Handwerker-Chef, ein gut gelaunter Inder, und der Eigentümer erst mal zusammen vorbei. Man muss wissen: Es gibt hier immer erst mal einen Termin, bei dem alles angeschaut wird. Man geht rum, erklärt alles. Und man denkt es ist dafür, dass der Handwerker-Chef seine Mitarbeiter brieft, damit die wissen was zu tun ist. Fehlanzeige.
Wir gehen als durch die Wohnung und erklären alles und machen einen Termin, während mir der Eigentümer erklärt, dass ja die Preise in New York, an der Cote d’Azur und in Madrid viel heftiger sind als hier, auch der Zustand der Wohnungen. Bla, bla, alles schön & gut. Ich bin jetzt hier aber in Dubai und diese Bude soll repariert werden. (Ich finde es immer herrlich, dass Menschen denken, dass sie einen mit Blabla einwickeln können).

Termin 2- hallooo, ist da wer?

Gut, der Termin steht, morgen um 15.00 Uhr. An besagtem Tag sitze ich von 15.00 bis 18.00 Uhr auf meinem neuen Sofa. Und nix passiert. Gar nix. Nach zwei Stunden erfrage ich die Nummer des Handwerker-Spezialisten-Chefs, aber der Eigentümer weilt in Kenia, kann gerade nicht reagieren. Drei Stunden später habe ich eine Nummer, rufe an.
„Ja, hm, ach so, ja Botanica.“ Hups.  Ne, er sagt nicht hups, eigentlich sagt er gar nix. Ok, neuen Termin für morgen ausmachen, hilft ja alles nix. Ich liste erneut alles am Telefon auf, damit dann auch morgen nix vergessen wird.
Donnerstag 09.00 Uhr. 09.30 Uhr, keiner da. Ich laufe runter zur Rezeption um nachzufragen, ob da vielleicht jemand ist. Zu unserem freundlichen Rezeptionisten Philosopher (ich liebe diesen Namen). Man muss wissen Nummer 2: Alle Gebäude, Tower, Hochhäuser haben eine Eingangshalle mit Rezeption, fast wie in einem Hotel.
Nö. Nada, sagt der Philosopher. Keine Menschenseele war da.

Ich nehme den Hörer in die Hand und mache unmissverständlich aber freundlich klar, dass hier in den nächsten 20 Minuten bitte jemand erscheine, um unsere „kleinen“ Wohnungsprobleme in Luft aufzulösen. Man hatte mir bereits vorher gesagt, dass man sich zu einem gewissen Zeitpunkt eindeutig Gehör verschaffen muss, weil sonst nix passiert. Früher hätte ich sofort los gepoltert. Das hat sich geändert. Ich habe darüber ein paar Tage nachgedacht und dann eine Lösung gefunden, die eindeutig, unmissverständlich und trotzdem freundlich ist. Der Handwerker-Chef am Telefon wird etwas nervös und versichert mir, es würde gleich jemand erscheinen. Ich warte.

Das Finale – 5 barfüßige Männer und meine Brüste

Siehe da, keine 15 Minuten später stehen sie vor meiner Tür. Die Männer. Gleich 5. Ich erschrecke kurz. Schwups, alle ziehen wie immer schnell die Schuhe aus und bevor ich „Hallooho, ihr seits endlich“ flöten kann, rennen sie auch schon im Stechschritt an mir vorbei. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber alle, die hier unsere Wohnung betreten, warten nicht oder bleiben erst mal stehen, sondern laufen rein, den Flur entlang und kommen dann meist im Schlafzimmer raus.
Gut, ich laufe dann mal hinterher und dann stehen die fünf (alle reichen mir ca. bis zur Brust) im Schlafzimmer und schauen ganz verdutzt. Ich erkläre kurz, dass es hier im Schlafzimmer nix zu machen gäbe und merke schnell, die wackeln mit dem hübschen Kopf, verstehen aber ca. ein Wort pro Satz. Shit. Und wissen von nix. Obershit.

Also fange ich von vorn an, erkläre alles. Aber eigentlich für die Tonne, weil die Verständigung ein kleines Desaster ist. Gut, erkläre ich eben mit Händen und Füßen. Fernsehreif dieser Auftritt. Mit der Duschbrause in der Hand versuche ich klar zu machen, das man mit dem Wasserstrahl nicht ein einzelnes Haar gewaschen bekommt. An der nächsten Station demonstriere ich, dass Wasser aus der Dusche läuft und überlege, was wohl „mit Silikon ausspritzen“ auf Englisch heißt. Oder in Indisch. Alle schauen ganz verdutzt. Warum bloß? Brüste. Ich trage ein weites Shirt, was etwas viel Platz lässt, wenn ich mich nach vorne beuge. Ich sage „Alter“. Versteht hier keiner, aber gut. Ich halte das Shirt fest, weiter geht’s. Manche Dinge sind wohl überall auf der Welt gleich.

Nach ein paar Stunden sind wir einige Schritte weiter. Ein Anliegen in unserer Küche bleibt weiterhin ungeklärt. „Nein, das machen wir nicht, da müssen Sie den Chef anrufen.“
Tue ich. In der selben Manier. „Ja, da kommt ein anderes Team, die machen das dann. Morgen“

Es sind seitdem ca. 10 Tage vergangen bisher war noch keiner da. OMMMM. Ist aber auch nicht so wichtig, die Sonne scheint.

„Das Leben ist zu kurz, um kein Yoga zu machen!“ Simone liebt Yoga, Schreiben, das Meer, die Sonne und ist auf der Suche nach einem happy, healthy Lifestyle. Wenn sie nicht gerade nachdenkt, haut sie in die Tasten oder ist auf der Matte zu finden!

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"Das Leben ist zu kurz, um kein Yoga zu machen!" Simone liebt Yoga, Schreiben, das Meer, die Sonne und ist auf der Suche nach einem happy, healthy Lifestyle. Wenn sie nicht gerade nachdenkt, haut sie in die Tasten oder ist auf der Matte zu finden!

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