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Im Interview Valerie Junger & Dana Sertel von Kali Kollektiv: „Es geht uns um die weiche, die weibliche Seite.“

Yoga, Frauen, Meditation, Girlpower, Healing – stundenlang könnte ich mich mit diesen Themen beschäftigen. Es ist großartig, dass Frauen stärker werden, mehr füreinander einstehen, sich unterstützen und das so viele motivierende Frauen mit ihren Ideen in die Öffentlichkeit treten. Gleichzeitig erlebe ich es als wundervoll, das Yoga immer mehr Einzug in die Gesellschaft hält und Frauen immer mehr die Möglichkeit haben sich so zu zeigen, wie sie sind. Das Weibliche mehr zu leben. Zwei, die diese beiden Strömungen wunderbar vereinen sind die Berliner Girls und Yoga-Lehrerinnen Valerie Junger & Dana Sertel. Die beiden haben das Kali Kollektiv gegründet, ein Format bei dem es um die Verbindung von Frauen auf einer tieferen Ebene geht.

1) Liebe Dana, liebe Valerie, stellt euch doch den Lesern einmal kurz vor. Wer seid ihr und was macht ihr?

DANA: Ich bin eine Frau und lebe gerade für ein halbes Jahr in NYC. Meine große Leidenschaft ist Yoga. Praxis und unterrichten. Mein Zuhause dafür habe ich gerade bei Jivamukti Yoga und es erfüllt mich jeden Tag mit großer Freude. Da ich gerade in einer Weiterbildung bin, habe ich wenig Zeit für anderes, aber wenn ich in Berlin bin (wo ich eigentlich wohne) dann gehe ich mit genauso großer Leidenschaft Tanzen. In der Natur sein ist mir auch sehr wichtig, doch wohl nicht wichtig genug um dorthin zu ziehen (noch?). 🙂

VALERIE: Ich bin gebürtige Österreicherin und lebe seit 2015 in Berlin. Es war das kunterbunte Gefühl von Freiheit und die inspirierenden, kreativen Menschen, die mich in diese Stadt gezogen haben. Mein Leben hat sich seit diesem Umzug auf den Kopf gestellt, ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und in mein Herz geschlossen. So auch Dana. Beruflich stehen Yoga und Grafik Design im Mittelpunkt. Ich arbeite zur Zeit bei lululemon, unterrichte Yin Yoga und stecke jede Sekunde meiner Freizeit in meinen Blog The Yoga Affair, den ich zusammen mit Elvira vor einem Jahr ins Leben gerufen habe.

2) Wie habt ihr zum Yoga gefunden und welche Rolle spielt Yoga aktuell in eurem Leben?

DANA: Zum Yoga kam ich nachdem ich lange Zeit viel Sport mit Wettkämpfen gemacht habe. Davon war ich müde und erschöpft und vor allem uninspiriert. Yoga hat mich auf vielen Ebenen aufgeweckt .

VALERIE: Mit Yoga habe ich vor 10 Jahren mehr als Ausgleich zu meinem Job in der Werbung begonnen. Irgendetwas war da aber, was mich vom ersten Moment an gefesselt hatte. Ich fühlte mich nach den Klassen einfach richtig gut und so wollte ich immer mehr davon. Mein Herz schlug eigentlich von Anfang an für Ashtanga Yoga, weil es für mich die purste und konzentrierteste Form ist zu praktizieren. 2011 habe ich mein erstes Foundation Teacher Training gemacht und naja, von da an war es wohl um mich geschehen. Mein Leben dreht sich nur mehr darum! 🙂

3) Ihr habt ganz frisch das Kali Kollektiv gegründet. Was genau verbirgt sich dahinter?

VALERIE: Als ich nach Berlin kam und all diesen tollen Frauen begegnete, dachte ich, dass man irgendein Projekt finden müsse, um alle zusammenzubringen und daraus etwas wunderbares zu erschaffen. Gesagt, getan. Ich habe Dana eingeweiht und das Kali Kollektiv war gegründet. Wir haben unsere Ideen aufeinander abgestimmt und einen ersten Workshop nur für Frauen geplant, um all das umzusetzen, was wir miteinander teilen wollten. Die Resonanz war überwältigend und dieser Tag mit geballter Girlpower sehr berührend. Tja, und das war der Startschuss.

4) Wie können Frauen mit euch in Kontakt treten und was genau passiert bei den Workshops?

DANA: Man kann mit uns über hi@kalikollektiv.de in Kontakt treten oder uns auf Social Media finden. Wir sind total offen für alle Ideen und glauben, dass es viel mehr bringt, gute Konzepte zu teilen und zu öffnen.

Es gibt kein festes Konstrukt für einen Workshop. Da wir erst einen Workshop hatten, arbeiten wir gerade an einem möglichen Themenpool. Allerdings finden wir eine ausgedehnte Praxis (2 Stunden) und einen mindestens genauso langen Workshop-Teil wichtig, um sich voll auf den Tag einzulassen. Wir haben festgestellt, dass der vegane Potluck-Lunch sehr gut ankam und es das Gefühl von Verbundenheit sehr gestärkt hat. Bei unserem ersten Workshop hatten wir eine Yang und eine Yin Praxis. Ich finde das ergänzt sich schön und ich konnte selbst ganz wunderbar abschalten in Valeries Stunde am Ende 😉 Ich finde es auch sehr wichtig, dass man so einen Workshop nicht alleine macht – nur wenn man in Verbindung geht, mit allen Auf’s und Ab’s die dazu gehören, kann man sich wirklich einlassen.

 

5) Female Power. The future is female. Nehme nur ich das so war, aber seit dem letzten Jahr tut sich einiges, was die Zusammenarbeit, das Miteinander von Frauen betrifft. Wie steht ihr dazu? Warum ist das für uns alle so wichtig?

DANA: Ich selbst habe mich nie als „Feministin“ wahrgenommen oder so bezeichnet. Das Wort trägt mir zuviele Stempel. Aber ich war schon immer stärker und unabhängiger als es vielen Männern (und auch leider Frauen) recht war. Daher ist es für mich nur logisch sich mit ähnlich denkenden und fühlenden Menschen zu verbinden. Ich beschränke das aber persönlich nicht auf Frauen. Ich glaube, wenn man sich freimacht, von abgrenzendem Verhalten (Neid, Frust, Konkurrenzdenken) dann wird auf einmal unglaublich viel Energie frei, die man sinnvoll einsetzen kann. Diese Erfahrung machen gerade viele zur gleichen Zeit in unserem Umfeld. An sich ist das Phänomen aber nicht neu, doch das geht jetzt zu weit 🙂

VALERIE: Für mich ist derzeit ein starker Wandel spürbar, den ich großartig finde. Hier in Berlin finden an jedem Wochenende Moon Circles, Cacao Ceremonies oder Meditationsabende für Frauen statt. Das ist doch klasse! Diese neue Strömung des Feminismus ist eine zu tiefst weibliche. Es geht nicht nur um Emanzipation a la Alice Schwarzer, die sich für mich sehr männlich anfühlt, sondern um die weiche, eben weibliche, Seite. Dabei steht das schöpferische Frau-Sein, das Zu- und Loslassen und das Annehmen des eigenen Körpers im Mittelpunkt. Für mich gerade in der heutigen Zeit mit einer Gesellschaft, die nach einem so erfolgsorientierten und männlichen Konzept funktioniert, eine regelrechte Wohltat. Ein Leben in Balance benötigt sowohl Yin als auch Yang. Mich macht dieser „Trend“ also sehr glücklich.

6) Warum neigen wir Frauen eurer Meinung nach so sehr dazu uns zu vergleichen?

DANA: Oh je, da könnte ich jetzt irgendwelche historisch-philosophischen Gedankenkonstrukte ausspinnen 🙂 Sagen wir es lieber so: vergleichen hat sicher gute Gründe. Wir (in diesem Fall Frauen) haben den Wunsch glücklich zu sein auf allen Ebenen. Wenn da eine daherkommt, die vermeintlich die gleichen Vorraussetzungen hat (keiner hat je genau die gleichen Vorraussetzungen), dann ist die natürliche Reaktion erstmal „das hat sie“ – „das habe ich nicht“.

Ich mag diese Idee: Anstatt uns zu fragen: „Was hat sie was ich nicht habe?“ könnten wir uns sagen: „Wow, was für eine tolle Frau – das gleiche Potential bringe ich auch mit!“ Wir vergleichen uns, weil wir Angst haben am Ende nicht genügend Wertschätzung zu bekommen. Wenn wir uns diese Wertschätzung selbst geben, ist für alle genug da. Sehr einfach gesagt.

7) Vergleich raubt Energie. Um uns herum gibt es so einige Energiekiller. Was tut ihr, wenn das mal passiert, wenn die Energie auf dem Tiefpunkt angekommen ist?

VALERIE: Das ist eine gute Frage und ich fühle mich sehr angesprochen, denn ich hatte so viele energetische Tiefpunkte in den letzten Monaten. Ich liebe meine Arbeit und kann manchmal nicht abschätzen, wann es genug ist und ich mal eine Pause brauche. Meistens bemerke ich das viel zu spät. Aber ich arbeite daran! 🙂 Mein wichtigsten Hilfsmittel in solchen Phasen sind Rückzug in die Stille, mein Tagebuch, schöne Musik und vor allem iPhone-Auszeiten. Social Media ist für mich der größte Energiekiller, weil man eigentlich ständig im Außen ist und den Bezug zum Jetzt und dem Gegenüber verliert. Grauenvoll wie viel Zeit man darüber verliert.

8) Aus der Sicht der Frau. Von Frau zu Frau. Was macht Frauen in euren Augen so besonders?

DANA: Wir schenken Leben. Punkt.

9) Eure Top-Tipps für Yoga in Berlin?

DANA: Jivamukti Yoga bei Peace Yoga Berlin und bei Jivamukti Berlin. Ashtanga bei The Heads.

VALERIE: Ich übe aktuell wieder mehr im Mysore Stil, was ich bei The Heads und in der Yoga School mache. Ansonsten gehe ich ab und zu mal zu Peace Yoga (am liebsten natürlich in Dana’s Klassen) oder auch in Mascha’s Yin Yoga Stunden.

10) Wer oder was hat euch in der letzten Zeit besonders inspiriert, eure Kreativität beflügelt?

DANA: Ich bin gerade in NYC bei meiner Mentorin Rima Rabbath. Sie inspiriert und beflügelt mich jede Sekunde.

VALERIE: Lustigerweise tatsächlich der Babyhund meiner Eltern. Der kleine Racker, namens Ela, hält die gesamte Familie auf Trab. Für mich, als die vermutlich größte Hundeliebhaberin der Welt, gibt es nicht Schöneres, als ihr den ganzen Tag beim Spielen oder Schlafen zuzusehen. So ein Hund lebt ganz im Hier und Jetzt. Vielleicht ist das banal, aber diese ganz einfachen Momente berühren mein Herz.

Liebe Valerie, liebe Dana, ich danke euch für eure Zeit und eure ehrlichen inspirierenden Antworten!

Fotos: Lena Fingerle

„Das Leben ist zu kurz, um kein Yoga zu machen!“ Simone liebt Yoga, Schreiben, das Meer, die Sonne und ist auf der Suche nach einem happy, healthy Lifestyle. Wenn sie nicht gerade nachdenkt, haut sie in die Tasten oder ist auf der Matte zu finden!

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