Kolumne
Schreibe einen Kommentar

KOLUMNE: Wieviel Yogi passt in eine Instagram-Pose?

Gedanken mache ich mir jede Woche, ohne die gäbe es meine Kolumne nicht. Gut also, dass die da sind. Immer inspiriert mich etwas anderes, oft ist es der Talk mit Freunden oder anderen Yogis. Im letzten halben Jahr, eigentlich seit ich in Dubai bin, denke ich viel darüber nach, was es mit mir und anderen Yogis, Yogalehrern und Schülern macht, wenn Asanas auf Instagram gepostet werden. Was macht das mit uns, dem Yoga und überhaupt?

Die perfekte Insta-Pose

Egal ob in London, New York, München oder Dubai – Yogalehrer auf der ganzen Welt zeigen sich in verrückten Asanas auf Instagram. Jeden Tag lacht mir eine anderes Gesicht entgegen, verzückt darüber endlich eine weitere Asana erreicht zu haben. Insbesondere der Handstand und die Armbalancen sorgen für massentaugliche Instagram-Schüsse. Ich ertappe mich dabei das doof zu finden, weil Yoga für mich mehr ist als halsbrecherische Gymnastik. Und weil es auch in mir manchmal den Drang hervorruft Dinge können zu müssen, was totaler Blödsinn ist und keinen Raum einnehmen sollte in der Yogapraxis. Geht es nicht um den Weg zur Erleuchtung und um das zur Ruhe bringen unserer wilden Gedanken statt in den einarmigen Handstand zu kommen?

Sind es die fortgeschrittenen Asanas, die zählen? Halten diese uns auf der Yogamatte, weil es das Ego kitzelt endlich auch auf Händen statt auf Füßen zu balancieren? Und anderen zu erzählen, dass wir das geschafft haben? Was macht das mit Anfängern, frage ich mich, haben die das Gefühl Versager zu sein, wenn nicht nach sechs Monaten schon der Unterarmstand glückt? Ich habe immer mehr das Gefühl da werden zu viele falsche Signale gesendet an Menschen, die noch nicht mit Yoga in Berührung gekommen sind oder gerade erst am Anfang stehen. Insbesondere meine Dubai-Feed ist voll mit fancy Posen. Auf der anderen Seite möchte ich nicht oberflächlich sein, denn auch hinter einen verrückten Pose und einem glänzenden Outfit kann ein erhebender Lehrer stecken (die Erfahrung habe ich hier schon ein paar Mal gemacht).

Der Weg ist das Ziel

Ja, die fortgeschrittenen Asanas sind ein Teil unserer körperlichen Praxis, aber sie spielen nicht die Hauptrolle. Ich arbeite in meiner Home-Praxis mehr an meinem Atem und ganz einfachen Dingen als am Handsand. Ist es nicht vielmehr der Weg dorthin, das tausendmal herausfallen und wieder aufstehen, dass uns lehrt und läutert? So wie im Leben auch? Und ganz wichtig: Auf Instagram sehen wir eine fertige Pose, oftmals ein Endresultat jahrelanger Praxis. Das vergessen wir oft.

Trotzdem frage ich mich auch, warum wir es als oberflächlich empfinden, wenn eine hübsche Yogalehrerin ein Flying-Pigeon Foto postet? Weil das ganz gut aussieht und wir selbst noch nicht so weit sind? Oder weil man das im Yoga nicht darf? Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich dann oft denke, dass es dabei mehr um Fitness geht als um Yoga. Hole mich aber auch gerne ganz schnell wieder zurück, denn soll und kann nicht jeder sein Yoga so praktizieren wie es Sinn macht? Zeitweise spielt im Leben vielleicht die körperliche Praxis eine große Rolle, das kann sich aber auch ändern.

Weniger Steine – mehr Toleranz

Yogalehrer können abgefahrene Posen posten und gleichzeitig inspirierende und bedeutungsvolle Lehrer mit erhebenden Absichten sein! Ja, manchmal scheint es, dass Lehrerinnen zu Models werden –  jeden Tag ein Bild, ein schönerer Körper, eine bessere Pose. Viele werben für Sportbekleidungsmarken, das kann man doof finden oder sich für die Person freuen, denn eines ist auch klar, der Durchschnittslehrer verdient keine goldene Nase und kann sich damit auch etwas leichter über Wasser halten. Das vergessen viele. Und wenn es dem einzelnen damit gut geht, ist das vielleicht auch fein.

Ich kann für mich sagen, dass es mich oft stresst, wenn es um die Produktion von Bildern geht. Für Instagram und für den Blog, daran scheiden sich bei mir ganz klar die Geister. Da spielt einfach auch immer mit, dass man „ok“ aussehen muss, sich selbst anschaut, bewertet. Das geht bei mir nicht immer. Und wenn ich das nicht kann, mir nicht danach ist, lasse ich das auch. Trotzdem wünsche ich mir weniger Schubladendenken, ja, auch weniger Instagram-Tauglichkeit aber auch mehr Offenheit, Toleranz und gegenseitigen Support. Gerade heute morgen habe ich wieder einen Artikel gelesen, dass es meist Frauen sind, die sich gegenseitig Steine in den Weg legen. Unnötig. Wir alle suchen was anderes, der eine fühlt sich von Lehrern angezogen, die abgefahrene Asanas zeigen und lehren, der andere mag es vielleicht lieber etwas weniger aufregend – es ist Platz für alle. Jeder findet seinen passenden Yogadeckel.

#findyouryogadeckel

„Das Leben ist zu kurz, um kein Yoga zu machen!“ Simone liebt Yoga, Schreiben, das Meer, die Sonne und ist auf der Suche nach einem happy, healthy Lifestyle. Wenn sie nicht gerade nachdenkt, haut sie in die Tasten oder ist auf der Matte zu finden!

Kategorie: Kolumne

von

„Das Leben ist zu kurz, um kein Yoga zu machen!“ Simone liebt Yoga, Schreiben, das Meer, die Sonne und ist auf der Suche nach einem happy, healthy Lifestyle. Wenn sie nicht gerade nachdenkt, haut sie in die Tasten oder ist auf der Matte zu finden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.