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KOLUMNE: Die Sache mit dem Yoga (unterrichten)

YOGA. Hat mich ganz schön gut aufgefangen in einer Zeit, in der ich gelinde gesagt, ziemlich im Arsch war. Hat eine wunderbare Lehrerin, ein gemütliches Studio und einen feinen Stil in mein Leben gespült und seitdem einiges an Spiritualität in mein Dasein gebracht. Und vor allem tolle neue Menschen. In mein damaliges Teacher Training bin ich eher für die Vertiefung meiner eigenen Praxis gestolpert. Ich wollte so vieles wissen, wollte tiefer gehen und Antworten auf viele Fragen finden.

Mitten drin im Teacher Training

Und auf einmal war ich mitten drin im Teacher Training auf Paros. Eine tolle Zeit. Ich habe so viel gelernt, über mich selbst und die Praxis. Zurück war ich immer noch nicht sicher, ob es in den zweiten Teil der Ausbildung für mich geht. Mir wurde klar, dass die Gruppe, die ich erwischt hatte für mich eine besondere war, ich habe mich sehr wohl gefühlt und mich darum auch entschlossen die Ausbildung gemeinsam mit diesen Menschen zu Ende zu bringen. Ans unterrichten habe ich da immer noch nicht gedacht. Dann stand die erste Yogaklasse, die New Guru-Stunde vor der Tür und ich war schweißnass. Auch in der zweiten Stunde vor offiziellem Publikum war ich tierisch aufgeregt. Ich konnte mich danach kaum beruhigen.

Und ich konnte mir damals auch nicht vorstellen in Düsseldorf sofort einzusteigen und zu unterrichten. Angst machte sich breit. Ich habe meinen Anfang dann mit einer feinen Gruppe in Köln in einem Unternehmen gefunden. Vier Monate lang habe ich dort die herzlichen Yogis unterrichtet. Manchmal bin ich gestresst dorthin gefahren und habe mich gefragt, warum ich das nun auch noch mache, neben meinem Freelancer-Dasein und den vielen Jobs. Auf der Rückfahrt war ich beseelt und unendlich dankbar. Ich fühlte das erste Mal Glücksgefühle beim Unterrichten aufsteigen. Langsam konnte ich verstehen, warum dieser Beruf eine Leidenschaft ist und zu einer großen Erfüllung werden kann.

Die Zweifel

Eine Sache ist klar, es gibt immer Möglichkeiten zu zweifeln. Kurz gesagt bei allem was wir so tun. Wir können uns fragen, ob das jetzt richtig ist? Gut genug? Ob wir gut genug sind? Wir können nicht nur, wir tun das auch. Ich persönlich schwanke oft zwischen „Einfach mal machen & durchziehen (zack, zack).“ und „Ich glaube das war einfach nicht gut genug“. Das ist beim Yoga so, als Freelancer und beim Schreiben für den Blog. Schnell fallen wir in einen Vergleich. Sehen andere, die ihre Sache vielleicht aus unserer Perspektive besser machen und haben gleich zu hohe Erwartungen. Ist noch kein Yogameister vom Himmel gefallen. Dabei wäre ein bisschen mehr Dankbarkeit für uns selbst so viel hilfreicher.

Meine Zweifel hatten mich an einem Punkt tatsächlich voll im Griff. Und an dem Punkt dachte ich mir dachte: Ne, das wird nix für mich, ich bleibe lieber bei meiner persönlichen Praxis. Da waren dann nicht mehr nur Zweifel, da war auch Angst. Angst hatte ich vor den geübten Yogis, die schon lange dabei waren. Die nach einem stressigen Job mit Erwartungen in eine Stunde kommen. Angst davor nicht gut genug zu sein. Sie zahlen schließlich dafür und das hat mich ganz kirre gemacht.

Dann fiel mir ein Artikel einer erfahrenen Yogalehrerin in die Hand. Ihr Tipp für junge Lehrer lautete: „Machen. Und nicht zu lange warten nach der Ausbildung, sonst ist alles wieder weg.“ Das las sich für mich logisch, vor allem weil ich so viel vergesse, wenn die Zeit vergeht. Und es passt zu deinem feinen Spruch: „Ein Gramm Praxis ist besser als Tonnen von Theorie.“ Ich versuchte mir klar zu machen: Ok, Simone, es wird immer Menschen geben, die keinen Bock auf deine Stunde haben. Das kannst du nicht ändern, nur annehmen. Und wer sagt eigentlich, dass du perfekt sein muss in dem was du tust? So what? Und dann wurde mir klar, dass ich etwas weitergeben wollte von diesem wunderbaren Effekt den Yoga auf mein ganzes Leben hat. Und wenn es nur zwei Menschen die Woche sind. Ich machte mich also locker. (Und tue das weiterhin.)

Yoga in Dubai

Dann kam der Umzug nach Dubai und mir wurde klar, dass es Zeit ist mal wieder am Jobrädchen zu drehen. Ich hatte mich in meinem Freelance-Dasein mal wieder ganz schön zugebaut mit Projekten und Aufgaben. Das Schreiben kam viel zu kurz. Und ich wollte mehr. Mehr Yoga. Ich war entschlossen mich der Sache mehr hinzugeben, aber mir war auch klar, dass das nicht zwischen Tür & Angel und drei anderen Jobs geht. Angekommen in Dubai entschied das Schicksal bereits im ersten Monat: Ich sollte auch hier Yoga unterrichten. Nach der Klasse sprach mich die Studioleiterin an. Wir quatschten, sie suchte Lehrer. Bums, äh Omm, da war ich. Bereits vor der Abreise hatte ich mich von ein paar anderen Projekten getrennt und sagen wir mal so aufgeräumt

Eine Woche später stand ich dann vor meiner ersten Dubai-Klasse. Aktuell unterrichte ich mehrmals die Woche. Was soll ich sagen? Es macht mir große Freude. Ich lerne so viel. Von den Schülern. Ich stecke viel Zeit in meine Stunden, in die die Vorbereitungen und habe mich von Dogmen und Verpflichtungen frei gemacht. Ich unterrichte das, was ich selbst praktiziere, was mir gut tut. Es würde nicht anders gehen. Ich lese viel, ich praktiziere weiterhin viel, trotz der Stunden, die ich unterrichte, das finde ich immens wichtig. Das geht nicht immer leicht von der Hand, erfordert Planung. Vor allem, wenn man nebenbei noch andere Dinge tut.

Ich fühle, sehe und begreife mich als Lernende. Und am lernen habe ich gerade besonders viel Spaß. Das was ich weiß, gebe ich gerne als Lehrende gerne weiter. Aber ich empfinde mich selbst nicht als fertig. Gibt es das überhaupt? Und ich mache mich nicht verrückt, wenn ich etwas mal nicht weiß. Ich lese es nach, ich frage, ich sauge alles auf. Und versuche nach und nach herauszufinden, mit wie vielen Stunden die Woche ich mich gut fühle. Es ist ein beständiges weitergehen, suchen und finden.

Warum ich das schreibe?

Weil ich glaube, dass es immer Zweifel in uns gibt, wenn es um etwas Neues geht. Es ist außerdem einfacher es gar nicht erst zu versuchen. Und von außen sieht es bei andren immer so aus, als wäre alles einfach. Ist es nicht. Wir sitzen alle im selben Boot. Deck deine Denkmuster auf und schmeiß die Zweifel über Bord. Fang zum einen einfach an zu unterrichten, z.B. deine Nachbarin oder Freundin und lass dir zum anderen Zeit für deine Entwicklung, denn die dauert einfach ein paar Jährchen. Die Yogalehrer, die mich zum Beispiel begeistern, machen das schon seit mehreren Jahren.

Außerdem finde ich es wichtig zu verstehen, dass auch Yoga-Lehrer, die da vorne stehen, zweifeln. Es ist schön, wenn du ihnen Verständnis entgegenbringst, denn in den meisten Fällen, macht diese Person neben den Unterrichtsstunden auch noch was anderes, um ihre Brötchen zu verdienen. Es steckt eine Menge Arbeit & Hingabe dahinter! Und auch wenn du vielleicht in einer Klasse mal eine andere Erwartung hattest, lass Sanftmut walten. Denn da fängt Yoga an.

#thiscrazythingcalledyoga

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