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Yogalehrer Düsseldorf: 12 Fragen an …

In „12 Fragen an … “ stelle ich euch jeden Monat einen Yogalehrer aus Düsseldorf (und Umgebung) vor. 12 Monate, 12 Lehrer, 12 Fragen und am Ende des Jahres 144 spannende Antworten. Raphalea Inacker ist Yogalehrerin, spezialisiert auf Pre- und Postnatal und Inhaberin des Cocoon Yogastudios in Unterbilk. Die zweifache Mutter findet im Interview ehrliche Worte, die der Yogaszene gut tun. Wir sollten den Job des Yogalehrers nicht glorifizieren und auch nicht davon ausgehen, dass Yoga unser Leben rosarot pudert.

Beschreibe dich selbst mit drei Worten/Adjektiven
warmherzig, chaotisch, intuitiv 

Warum bist du Yogalehrerin?
Wenn wir uns mehr füreinander öffnen, mental selber stärker sind, dann können wir wirksamer sein, mit dem was wir letztendlich tun in dieser Welt. Yoga kann uns dabei als Tool wunderbar helfen. Und das ist sicher ein Grund für mich, diesen Job zu machen und das unterrichten zu lieben. Yoga bewegt was. Manchmal nicht das erwartete für einen, uns sicher pudert es nicht alles rosa rot. Das mag ich. Ich bin nach Yogaklassen, die ich gebe meistens auch selbst total entspannt und klarer. Wenn das mal kein Grund ist!

Oft wird das Yogalehrer-Sein aber auch glorifiziert. Fast so als ob es gerade hip ist, sich so zu betiteln. Ich habe das Gefühl, dass es bald mehr Lehrer als Schüler gibt. Dabei gibt es auch viele wirtschaftlich schwierige Seiten an dieser Arbeit. Ich finde es wichtig, es beim Namen zu nennen: es ist eine Arbeit, eine Aufgabe. Gerne auch Berufung, fein. Aber sicher kein Hobby. So viele Seiten an unserer Arbeit werden von außen nicht gesehen. Mich fragte vor ein paar Jahren eine Schülerin ganz erstaunt, warum wir denn einen Computer im Studio hätten.

Wer wärst du ohne Yoga?
Das ist so hypothetisch, schwer zu sagen. Ich war keine 20 als ich eingetaucht bin ins Yoga,- und Lehrer- dasein. Ohne Yoga könnte ich mich außerhalb der Stadt mit Schafen und Hühnern auf einem Hof mit vielen Kindern und Gleichgesinnten sehen. Aber wäre das dann auch nicht wieder Yoga- in Verbindung sein mit anderen, der Natur und sich? Yoga in seiner ursprünglichen Bedeutung findet für mich überall, in vielen kleinen Momenten statt. 

Wer sind deine größten Lehrer? 
Meine Kinder. Die Art von Verbindung und bedingungsloser Liebe, die ist besonders und eine tiefe Erfahrung. Aber auch die Verantwortung für zwei Menschen zu haben und die Balance zwischen den Rollen als Frau und Mutter auszuloten. Das sind spannende Aufgaben und einfach momentan meine Themen und größten Lehrer.

Was sind die größten Irrtümer, wenn es um Yoga geht?
Das viele den Eindruck haben, als Yogalehrer sei man immer entspannt, müsse alles im Griff haben und werde natürlich nie krank. Etwas provokant gesagt habe ich manchmal das Gefühl, wir Yogalehrer sind uns selbst die besten Kunden.

Wie sieht deine eigene Praxis aus? 
Reduziert. Zeit ist gerade ein großes Thema bei mir, eher aber Strukturen zu etablieren, wo man sie sich einfach nimmt. Sich nebst zwei Kindern und Job genügend um sich zu kümmern ist ja von vielen Mamas ein Thema, natürlich auch bei mir. Ich merke aber sträflich, wie es ist, wenn ich länger zu wenig übe. Wegen meiner Hüftdysplasie habe ich einige Asana, die ich auch nach Jahren einfach noch regelmäßig benötige damit alles geschmiert läuft. Generell sind es die leisen Töne im Yoga, die mich wirklich nachhaltig beeinflussen. Ich weiß gerade nicht, ob ich die drei obligatorischen Urdhva Dhanurasana in einer Jivamukti Yogaklasse packen würde. Dafür kann ich aber ewig sitzen ;-) 

Was ich verloren habe ist das Singen, das Harmonium spielen. In einer anderen Lebensphase war es viel präsenter bei mir und hatte seinen Platz. Seit mein Bruder gestorben ist, praktiziere ich das kaum selber für mich. Es hat einfach aufgehört. Aber das macht nichts, es wird sich finden.

Welchen Lehrer aus Düsseldorf magst du besonders und warum? 
Natürlich habe ich immer noch eine starke Verbindung zu Sabine Steffen, mit der ich 14 Jahre das Vishnus Vibes geführt habe. Meine ganzen 20er habe ich dort mit ihr verbracht, das ist natürlich einprägsam und ich bin sehr dankbar dafür.  Verbunden fühle ich mich auch mit Melina Huppertz, für mich eine Elfengleiche Person, wahnsinnig feinfühlig und spirituell verbunden. Sie ist Mama von vier Kindern und lebt momentan in Costa Rica statt in Düsseldorf. Ich glaube in Düsseldorf haben wir so eine starke Dichte an guten Lehrern, da könnte ich jetzt noch viele nennen. 

Welches Buch sollte jeder Schüler und jeder Lehrer gelesen haben? 
„Sivananda Buried Yoga“ von Yogi Mammoyanand und  „Fire of Love for Students of Life for Teachers of Yoga“ von Adil Palkhivala.
Ganz aktuell das Chakra-Buch „Angelus: Experiental Chakra Workbook“ von Erica Jago. Es ist eher eine Art Workbook, fast schon ein Kunst-Projekt. So kreativ und voller Schönheit. Ich finde es wahnsinnig beeindruckend.

Dein skurrilstes Yoga-Erlebnis? 
Oh, welches wähle ich da? Es kommen einige zusammen. Ich war mal mit meiner Freundin Annette (von der Yogakitchen) bei einem Workshop mit einem selbsternannten Guru. Wir saßen zwei Stunden wortlos im Raum, es herrschte eine seltsame Stimmung, irgendwie erwartungsvoll, wann es endlich los geht. Es war aber auch keine meditative Ruhe. Alles saßen geduldig wartend da und hingen an ihm bis er dann nach über 90 Minuten fragte: „Are there some more questions?“
Keiner hatte eine. Das war’s. Wir haben danach unglaublich lachen müssen, das war befreiend. Die ganze Situation war unglaublich schräg. Hatten wir was verpasst? Waren wir noch nicht bereit für diese ultimative Erfahrung? Ich kann das bis heute nicht einordnen.

Was bringt dich auf die Palme?
Übertriebene Pseudo-Spiritualität, aber hinten rum lästern bis zum umfallen. 

Der beste Rat, den du je bekommen hast?
Better done than perfect.

Stell dir vor du dürftest die gesamte Stadt mit Plakaten bekleben, was würde darauf stehen? WelcheBotschaft möchtest du vermitteln?
Füreinander statt gegeneinander. 

Hier gehts zur Website des Cocoon Yoga & female health, das seit dieser Woche wieder für kleine Gruppen eröffnet hat.

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Yoga, ätherische Öle, Meditation und meine spirituelle Praxis helfen mir jeden Tag dabei die beste Version meiner Selbst zu sein. Ich möchte dich dazu inspirieren, dein Leben auf den Kopf zu stellen und dich frei zu fühlen.

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