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KOLUMNE: Mein Rückflug. Nostalgisch und verspannt.

Vor knapp vier Tagen bin ich in Deutschland gelandet. Habe mich in Dubai in den Flieger gesetzt, das Abenteuer hinter mir gelassen und bin in Düsseldorf angekommen. Bei langen Flügen werde ich öfter mal sentimental, manchmal kullern mir sogar Tränen über die Backen. Ob das dieses Mal auch so war und warum manche Familien echt wunderlich sind und die Deutschen sich generell mal mehr locker machen sollten.

Lavendelöl intravenös, bitte!

Schon am Schalter gings los und ich musste meinen kleinen Koffer mit ins Flugzeug nehmen und durfte ihn wegen 2kg zu viel nicht mit einchecken. Hallooo, schwanger, machen Sie mal ne Ausnahme? Nö. Als ich nach zweimal Toilette und einem Kitkat endlich im Flieger sitze, schaffe ich es noch den Platz zu wechseln und einen Sitz mit mehr Beinfreiheit an den Notausgängen zu bekommen. Direkt zwischen drei Kinderlein geparkt. Einmal rechts eine Familie mit zwei Kindern und einmal links eine lustige Japanerin mit einem kleinen Mädchen. Ich schnuppere es sofort, dieser Flug ist voll mit Deutschen. Alle rennen, alles schiebt, keiner hat Zeit, keiner lächelt. Hatten die nicht gerade Urlaub und müssten tiefenentspannt sein? Ich ziehe erst mal die schwarzen Thrombose-Strümpfe an. Eine Reihe hinter mir filmt sich ein junges Mädel zehnmal hintereinander, wahrscheinlich für ein neues Youtube-Video und spricht immer wieder denselben Satz mit unterschiedlicher Betonung. Sie schreit parallel dazu den Freund an, klebt den ganzen Flug nur am Handy – Infuencer eben. Die Deutschen wirken unentspannt, angespannt, verspannt…

Ich freue mich darauf ein paar Stündchen zu schlafen, das klappt aber hinten und vorne nicht. Einmal weil ich dauernd auf die Toilette muss und weil das kleine Baby vor mir schreit. Eigentlich pausenlos, ohne Luft zu holen. Ich denke mir, Simone, das ist Vorbereitungscamp hier, so wird das bald in drei Monaten, versuche dich mit dem Schreien zu entspannen. Ich rieche an meinem Lavendelöl, höre meine Yogi-Playlist… für fünf Minuten klappt’s. Das Schreien wird lauter. Die Mutter hat sich das schreiende Baby jetzt ganz eng an die Brust geschnallt und deckt es mit einer Decke zu. Ich sehe den verschwitzen Babykopf hervorkommen, das muss wie in der Sauna sein da drin und dann fängt der Vater an zu schimpfen. Ganz ehrlich: Da würde ich auch aus vollem Halse schreien. Die Frau in meiner Reihe beschwert sich derweil über das kleine japanische Mädchen, das kurz auf den Sitz geklettert ist, mit den Worten „Ich muss hier arbeiten“. Oha, her mit dem Lavendelöl.

Alte Zeiten, ein verlorener Koffer und eine herrenlose Tüte

Ich lese derweil das Buch von meiner Lieblings-Kolumnistin Susanne Kaloff „Nüchtern betrachtet wars betrunken nicht so berauschend“ und denke über meine alten Hamburg-Partyzeiten nach. Die Autorin entscheidet sich nach einem kleinen Absturz dazu kein Glas mehr anzurühren und dem Alkohol zu entsagen. Ich fühle mich verbündet, einerseits, träume von Weinschorle, andererseits. Denke an meine Singlezeiten, an die Männer, das Leben damals, den Job, wie fertig ich war, wie wenig ich eigentlich so wahrgenommen habe und stelle fest, dass jetzt nach ein paar Jahren alles anders ist. Das da in drei Monaten ein kleines Baby ist, dass ich eine neue Wohnung suchen muss und das ich meine gerade erst lieb gewonnen Freunde aus Dubai wieder verlassen muss. Und das teils oberflächliche aber doch sehr facettenreiche Yoga wieder verlassen muss. Keine Tränen, nur Nachdenklichkeit.

Als wir nach sieben Stunden landen, ist mein Koffer kurz weg, gefühlt zehn Menschen treten mir auf die Füße oder rennen mir gegen den Bauch – einfach weil niemand warten kann. Willkommen in Deutschland, denke ich mir, warum sind wir bloß so unachtsam? Das geht doch nicht. An der Grenzkontrolle stehen erst mal alle am falschen Schalter an und laufen aufgeregt durcheinander. Ein älterer Mann mit hochrotem Kopf und DutyFree-Tüte ruft ins Leere: „Hallo, hallo, hat hier jemand eine falsche Tüte eingesteckt? Es hat hier jemand meine Tüte. Bitte melden Sie sich!“ Der Mann hat einen hochroten Kopf, seine Frau ist völlig fertig mit den Nerven. Die Tüte war doch so wichtig, da sind doch so wichtige Dinge drin. Hm, Parfüm? Schokolade? Datteln?

Am Gepäckband möchte ich mir schnell einen Wagen schnappen, damit ich die schwere Tasche und den kleinen Koffer irgendwie nach draußen bekomme, habe aber leider keinen Euro Kleingeld in der Tasche. Und es leiht mir auch niemand einen. Gut. denke ich mir, das geht auch so und halte nach einem Menschen Ausschau, der nicht ganz so grimmig schaut und mir vielleicht das Gepäckstück vom Band heben kann. Ich werde fündig, schnuppere kalte Luft, bugsiere meine Koffer irgendwie nach draußen und da ist sie auch schon, meine liebe Freundin, die mich mit einem fetten Strahlen im Gesicht in die Arme schließt.

Hallo Heimat, da bin ich.

„Das Leben ist zu kurz, um kein Yoga zu machen!“ Simone liebt Yoga, Schreiben, das Meer, die Sonne und ist auf der Suche nach einem happy, healthy Lifestyle. Wenn sie nicht gerade nachdenkt, haut sie in die Tasten oder ist auf der Matte zu finden!

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"Das Leben ist zu kurz, um kein Yoga zu machen!" Simone liebt Yoga, Schreiben, das Meer, die Sonne und ist auf der Suche nach einem happy, healthy Lifestyle. Wenn sie nicht gerade nachdenkt, haut sie in die Tasten oder ist auf der Matte zu finden!

2 Kommentare

  1. Charlotte sagt

    Hallo zurück, Simone,

    es kommen heiterere Zeiten und fröhlichere Menschen. :)
    Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, wie stark der Kontrast sein mag.

    Sei lieb gegrüßt

  2. Jana sagt

    Ich musste das ein oder andere mal göttlich lachen. Ich liebe deine Beschreibungen :)

    Aber schön, dass du trotz dieser Strapazen gut angekommen bist. Ich hoffe, es findet sich eine schöne Wohnung, in der ihr euch wohlfühlen werdet.

    Es ist irgendwie komisch zu hören, wie schlimm die Deutschen manchmal sein können. Aber du hast leider recht. Das fängt ja bereits mit der Unzufriedenheit an. Es wird immer gemeckert, lamentiert und dies und das ist schlecht. Und wenn man dann mal wirklich sieht, wie es sich schlecht lebt, dann wird gesagt „Könne man ja nicht vergleichen“. Doch kann man. Sehr gut sogar, wie ich finde. Deshalb bin ich froh, dass ich dankbar für alles bin und den Weg für mich gefunden habe, der mich zufriedener sein lässt. Denn seien wir doch mal ehrlich: Uns geht es sehr gut hier in Deutschland. Und ja, es ist nicht immer einfach, aber da muss man dann halt auch mal durch. In diesem Sinne: Ein Hoch aufs Leben und auf das neue Leben, was in dir wächst!

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